So langsam haben wir alle angesagten europäischen Metropolen durch. Zumindest alle, in denen das Wetter gut ist. Deshalb beschlossen wir, im April mal einen Kurztrip nach Tel Aviv einzulegen. Die wenigen uns bekannten Leute, die schon dort waren, haben immer in höchsten Tönen geschwärmt; außerdem hängt dieser Destination der Duft des Abenteuers an (besorgte Gesichter bei Familie und Freunden).

Um es gleich vorweg zu nehmen: Zu keinem Moment unseres Israel-Reise fühlten wir uns irgendwie unsicher, weder in Tel Aviv, noch in Jerusalem, in der West Bank oder am Toten Meer. Völlig unkomplizierte Ein- und Ausreise am Flughafen Tel Aviv, etwas seltsam höchstens das Einchecken in „Halle F“ am hintersten Ende des Münchner Flughafens.

Ankunft in der „Weißen Stadt“. Tel Aviv – erst 100 Jahre alt – ist zwar kein architektonisches Juwel, hat aber vieles zu bieten: 10 km Stadtstrand, unzählige coole Cafés, Restaurants, Bars und Clubs, Dutzende von hippen Boutique-Hotels. Dazu die malerische Altstadt und der alte Hafen von Jaffa, eine ganze Reihe von Szenevierteln, in denen sich avantgardistische Boutiquen mit Galerien, Möbelläden und Schmuckdesignern abwechseln, viel Street-Art und ein paar quirlige orientalische Märkte.

Die florierende Wirtschaft ist geprägt von Start-ups und cool designten Co-Working-Spaces. Gutgelaunte Menschen, am liebsten unterwegs auf e-Bikes und e-Rollern, die Sonne im Gesicht, den Wind in der üppigen Haarpracht. Und des nächtens ein Leben in den Straßen, wie man es bestenfalls aus Barcelona kennt.

Tel Aviv fühlt sich an wie das Berlin meiner Träume: mit nur 400.000 Einwohnen deutlich kleiner, dafür ausgestattet mit Sonne, Strand und Meer. Überall in der Stadt ist der Kaffee hervorragend und das east-west Fusion-Frühstück mit Hummus, „Schakschuka“, Brioche und Pancakes ein Traum. Wer Ottolenghis Kochbücher liebt, kommt hier kulinarisch voll auf seine Kosten. Überhaupt: Die Stadt schmeckt nach Freiheit und Lebensfreude – eine unbesorgte kleine Enklave inmitten einer zerrissenen Region.

Legendär auch das Nachtleben: Tel Aviv ist – genau wir Berlin – eine recht schwulenfreundliche Stadt (viele gutgekleidete junge Männer, die ihre perfekt frisierten kleinen Hunde ausführen), was die Szene belebt. Überall gute Musik. Seit wir den unglaublichen Asaf Avidan letztes Jahr in München gesehen haben, sind wir sowieso Fan der israelischen Musikszene.

Ein spektakulärer Tagesausflug: Jerusalem ist nur 70 km entfernt, demnächst per Schnellzug in 30 Minuten erreichbar. Von dort ist man in einer weiteren halben Stunde am Toten Meer, um in einem Standclub mit dem Charme eines kommunistischen Ferienlagers ein bisschen herumzufloaten. Nett, aber als Urlaubsdestination nur Hautkranken zu empfehlen.

Jerusalem hingegen ist absolut sehenswert und bringt uns unserer eigenen Geschichte ein Stück näher. Allerorts spürbar und oft regelrecht beängstigend die tiefe Religiosität, die über allem schwebt: Ob jüdisch ausgeprägt mit traurigen Gesängen an der Klagemauer, streng muslimisch im Felsendom dahinter, wo Mohammed in den Himmel aufgefahren ist oder – vielleicht am krassesten – in der Grabeskirche, dem vermeintlichen Kreuzigungsort Christi. Erheiternd bis deprimierend auch der Anblick von Pilgergrüppchen aus aller Welt, die mit einem gemieteten (!!) Kreuz auf dem Rücken die von kitschigen Souvenirshops geflankte Via Dolorosa entlangziehen, um den Leidensweg Christi nachzuvollziehen.

Abends sind wir einigermaßen erleichtert wieder in „zuhause“ im leichtlebigen Tel Aviv, wo wir uns mit ein paar Cocktails in der wunderschönen Kolonialbar des Hotels Montefiore belohnen.

Tel Aviv ist unbedingt eine Reise wert. Für alle, die sich ins Abenteuer stürzen möchten, hier ein paar Tipps mit den entsprechenden Links:

Unser Hoteltipp ist das perfekt gelegene Boutique-Hotel Montefiore im Bauhaus Viertel, nur wenige Schritte vom Rothshild Boulevard und einen kurzen Spaziergang vom Strand entfernt. Elegantes Gebäude aus den 20ern, eingerichtet im coolen Retro-Chic, wie er vielerorts in Tel Aviv zu finden ist. Tolles Restaurant, sehr angesagt.

Gleich am ersten Abend haben wir das Rothschild 12 entdeckt, wo man eigentlich vom Frühstück bis spät nachts in guter Gesellschaft abhängen kann. Vorne raus Coffee-Shop und Tapas-Bar, hinten ein Club mit DJ. Très cool.

Hervorragendes Essen gibt’s weiter nördlich im styischen „Shila„, eine der Top-Adressen der Stadt. Ohne Reservierung geht hier nichts. Ein sehr coole Alternative: Das „Claro“ mit seiner offenen Küche, industrial Design in einem uralten Gebäude – sehenswert.

Wer tagsüber zum Bummeln rauf zur neuen Marina geradelt ist, kehrt mittags ein im „Kitchen Market„.

Zum Schluss noch ein Tipp für einen romantischen Abend in Tel Aviv: Ein Bummel die malerische Shabazi-Street im Trend-Viertel Neve Tzedek hinunter bis zur kleinen, aber feinen Jajo Wine Bar. (Ein Besuch lohnt sich übrigens auch im gleichnamigen Schwesterrestaurant in Sarona, dem schick restaurierten  „Schwäbischen Dorf“ in Tel Aviv.)  – Nach einem guten Glas Wein geht’s weiter zum ehemaligen „Ha’Tachana“ Bahnhof, wo sich Cafés, Boutiquen und Restaurants finden, erwähnt sei hier vor allem die VickyCristina Tapas Bar, wo man gemütlich unter Bäumen schlemmen kann.