Alle Jahre wieder…

… machen wir Anfang Dezember einen Betriebsausflug der besonderen Art: Wir schließen mittags das Büro, nehmen die U-Bahn in den Münchner Stadtteil Lehel, wo wir einige Einwohner des Seniorenheims abholen und mit ihnen einen Ausflug zum Weihnachtsmarkt machen. Jeder von uns findet einen Begleiter im Rollstuhl, der sich in den meisten Fällen als recht amüsanter Gesprächspartner erweist – erst recht nach dem ersten Glühwein. Das besondere an dieser Begegnung ist die Gegensätzlichkeit unseres Alltags: Wir stehen mitten im Leben, in der Blüte unserer Jahre, in der Fülle unserer Kraft. Immer unter Druck, noch mehr zu leisten, aufzubauen und zu schaffen. Kommen, das Smartphone in der Hand, geradewegs aus der Hektik unseres Agenturgeschäfts, die Zeit fliegt, getrieben von Terminen und Projekten. Und treffen auf Menschen, die am Ende Ihres Lebens stehen. Deren Tage sich in gemächlicher Eintönigkeit dahinziehen und die irgendwie alle aufs Sterben warten. Denen, nach 90 Jahren und mehr auf diesem Planeten, die vermeintliche Dringlichkeit unser Aufgaben gerade mal ein müdes Lächeln entlockt.

Und doch gibt es viele Augenblicke echter Menschlichkeit, eine Herzlichkeit in Blick und Händedruck, die sich über alle Grenzen hinweg ohne Worte versteht. Soziales Engagement wirkt eben in beide Richtungen und eröffnet Gebern und Empfängern neue Horizonte.