Im Frühling haben wir Hochkonjunktur. Das ist jedes Jahr so. Ende April stapeln sich in zunehmenden Maße Kisten mit Event-Material in unseren Büros; jetzt laufen innerhalb von wenigen Wochen ein Großteil der Veranstaltungen des Jahres. Bestandsaufnahme vom heutigen Tag: 30 laminierte DIN A3 Schilder (Beschilderung für großes VIP Event in Berlin), dazu 300 Namensschilder. 20 Menükarten für Lunch im Reichstag (kleineres Incentive-Wochenende in der Hauptstadt). 100 Menükarten für Außendienst-Tagung in Lissabon (schick!), dazu passende Tischaufsteller. 15 Roadbooks, liebevoll von Hand gebunden, für Erlebniswochenende in Bilbao, dazu passende Umschläge mit Autobahngebühren, Begrüßungsschreiben zur Verteilung auf dem Hotelzimmer. 100 Poker-Anleitungen für Kick-off-Meeting in Münster (großartig!)

Unser Büro gleicht in diesen hektischen Frühlingstagen einer vorweihnachtlichen Wichtelwerkstatt: Überall wird spiralisiert, laminiert, gedruckt, gefalzt, kuvertiert und verpackt. „Wie öde“, könnte man denken. Weit gefehlt! Tage-, wochen-, monatelang brüten wir über Konzepten und Präsentationen. Sitzen mit rauchendem Kopf über Kalkulationen, Abrechnungen und Hotelverträgen. (Wer einmal versucht hat, eine Kommissionsrechnung an ein spanisches Hotel zu stellen, weiß, was ich meine…) Konferieren mit dem Steuerberater über Mehrwertsteuer-Sätze in Stockholm oder Malta. Zermatern uns das Gehirn über 3D-Projektionen“, Raumpläne und fehlende Emissionszuschlagserstattungen (das Wort allein verursacht Kopfschmerzen) bei Flugtickets.

Jeden, der eine Weile im Projektmanagement größerer Veranstaltungen gearbeitet hat, packt diese Sehnsucht nach simpler, manueller Tätigkeit, bei der man das Hirn einfach mal abschalten kann. Stoisch-gleichmütig ein Stündchen lang Menükarten falten kommt einem Kurzurlaub gleich, bei dem es ausnahmsweise nicht so scheint, als hinge von der nächsten zu treffenden Entscheidung der Weltfrieden ab. Außerdem produziert man endlich mal ein unmittelbar sichtbares Ergebnis. Welch‘ Befriedigung!

So wird das Laminiergerät zum Zen-Garten der Eventagentur, beim meditativen Spiralisieren und Falzen kommt das überhitzte Projektleiterhirn zu Ruhe und alle Last fällt für ein paar köstliche Momente von uns ab. Frei und gelöst falten wir den nächsten Satz Tischaufsteller, ganz im hier und jetzt.